Pressespiegel 2014

Übersicht:

"Blick in die Weite" (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25.08.2014)

"Klangfarbenzauber vom JPON" (Niederelbe-Zeitung, 25.08.2014)

"Junges Philharmonisches Orchester in der Stadthalle" (Weser-Kurier, 23.08.2014)

"Sinnliche Seiten der Musik aufdecken" (Nord-West-Zeitung, 22.08.2014)

"Dionysischer Jubel" (Die Harke, Nienburger Zeitung , 29.07.2014)

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25.08.2014

 

Blick in die Weite

Das Junge Philharmonische Orchester in Hannover

von Charlotte Schrimpff

 

Plötzlich, mitten in Maurice Ravels Boléro, nimmt Andreas Schüller die Arme herunter. Mitten in dem Stück, dass jeder Musiker, wenn er es spielt, bitte nur einmal spielen möchte. Weil die Soli in den Bläsern so anspruchsvoll sind. Weil es in den Streichern und an der kleinen Trommel ein Höchstmaß an Konzentration braucht, um die Monotonie ihrer Stimmen nicht so klingen zu lassen. Weil es für alle im Orchester eine Herausforderung ist, die Spannung über 340 Takte hinweg aufzubauen, aufrecht zu erhalten. Selten war es im Großen Sendesaal so still wie nach diesem Abbruch.

Grund war im hannoverschen Landesfunkhaus einer der drei Filmer, die das Jubiläumskonzert des Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen (JPON) mitschnitten: Als der Boléro längst angefangen hatte, huschte der Kameramann noch durch die Reihen. Bis Dirigent Schüller die Faxen dicke hatte.

Dass der zweite Anlauf glückte, dass er so geriet, wie er es tat, genügt eigentlich als Beleg für die Güte dieses Klangkörpers. Seit 25 Jahren existiert das JPON inzwischen, als Anlaufpunkt für junge Musiker, die schon zu alt für die Landesjugendorchester sind, aber noch zu jung für die der Profis. Viele Studierende sitzen da und auch Musikhochschulabsolventen, die Musik bewusst nicht zu ihrem Beruf gemacht haben. Spielen können sie alle.

Vor der Pause hat es Richard Strauss’ Tondichtung „Don Juan“ gegeben, dann sein erster Hornkonzert. Strauss’ Musik, meinte einmal Kristjan Järvi, Cherf des MDR Sinfonieorchesters, sei im Prinzip unspielbar. Aber eben auch so gut, dass man es trotzdem tun müsse. Zum Beispiel so wie das JPON – mit einem entschiedenen Hornsatz, wendigen Streichern und Solisten, die manchem Profiorchester nicht schlecht zu Gesicht stünden. Beim Jungen Sinfonieorchester steht dieser Juan nicht nur als Schürzenjäger da, sondern als einer, der sich manchmal gar nicht so sicher ist. Der zaudert, fühlt.

Das ist das Niveau, musikalisch wie technisch, auf das sich anschließend Paolo Mendes in Strauss’ erstem Hornkonzert einlassen kann. Wie ein Gleitschirmflieger, der über thermischen Winden segelt, setzt der Solohornist des Deutschen Sinfonieorchesters Berlin im Andante seine langen, schönen Töne auf die Legati der Bratschen und Celli: ganz ruhig und klar. Man hat das Gefühl, mit ihm in die Weite blicken zu können, über Strauss hinaus, bis in die mythischen Wunderlandschaften, die Ravel 30 Jahre später u den Hirtenjungen Daphnis und seine Chloé komponierte. Eine impressionistische Idylle, durch die beim JPON-Konzert friedliche Bratschenlinien fließen und das Holz zwitschert.

Kaum zwei Wochen hatten die 100 Musiker Zeit für dieses Programm, das vor dem Konzert in Hannover bereits in Westerstede, Verden und Otterndorf zu hören war. Vorstandsmitglied Matthias Staiger nannte das Orchester eingangs „gelebte Utopie“ und wünschte sich, es möge im August 2029 sein 50. Jubiläum feiern. Das tat das Publikum im gut besuchten Sendesaal auch: Ovationen im Stehen.

Niederelbe-Zeitung, 25.08.2014

 

Klangfarbenzauber vom JPON

Junges Philharmonisches Orchester begeisterte beim Reithallen-Konzert mit Werken von Strauss und Ravel

von Ilse Cordes

 

Zwei Orchester-Klangfarben-Zauberer wie Richard Strauss und Maurice Ravel erfordern auch vom Konzerthörer erhöhte Konzentration, um all die lyrisch-dramatischen, pastellenen wie tief-dunkel getönten Bilder in ihrer Vollendung zu erfassen. Was die Realisierung eines solchen Konglomerats an Orchesterfarben für die jungen Interpreten an ihren Instrumenten bedeutet, kann der Zuhörer nur erahnen und einen Konzertabend lang staunend verfolgen. Für Letzteres war das Programm mit der „Don Juan-Tondichtung und dem Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur op.11 von Richard Strauss wie Maurice Ravels „Daphnis et Chloé“-Suite Nr. 2 und seinem „Boléro“ ideal.

Für das JPON, das sein 25-jähriges Jubiläum begeht, ist das Sommerkonzert in der Reithalle seit Jahren ein fester Konzerttermin. Um ihn „aus die Beine zu stellen“, bedarf es auch seitens der Veranstalter Unterstützung, wie Bürgermeister Claus Johannßen am Freitagabend in seiner Begrüßung unterstrich. Sein Dank galt der Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln als Sponsor, dem die Halle zur Verfügung stellenden Reitclub und dem beim Auf- und Umbau helfenden Marinenfliegergeschwader in Nordholz sowie natürlich dem Musikbeirat.

Ein fester Termin ist das Reithallen-Konzert auch für die Klassik-Fans aus der Umgebung. Sie haben in den vergangenen Jahren verfolgen können, wie sich in dem aus Musikstudenten und Profi-Musikern bestehenden Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen der Begriff des qualitativen Musizierens auf einem erstaunlichen Niveau immer mehr verfestigte. Dazu hat auch die Kontinuität in der musikalischen Leitung. Beigetragen. Seit 2008 arbeitet Andreas Schüller mit der JPON, ein im Konzert wie an Opernhäusern gleichfalls erfahrener Dirigent, zur Zeit Chefdirigent des Staatsoperette Dresden.

Nach Otterndorf kam Schüller mit großem Orchester (nahezu 100 Instrumentalisten), was für Richard Strauss’ frühen „Geniestreich“, seine an Themen und Ausdrucks-Schattierungen reiche Tondichtung „Don Juan“, und am Schluss dann für Ravels „Boléro“ auch gebraucht wird. Mit welcher Intensität und zugleich Präzision das junge Orchester die Vielfalt an Farben, Facetten, an dramatischen wie lyrischen Passagen so unterschiedlicher Werke wie dem „Don Juan“, der „Daphnis et Chloé“-Suite und des „Boléro“ realisierte, das ist bewundernswert. In Ravels Ballettsuite vor allem gelang Schüller mit dem JPON wahrhaft durchsichtiges Musizieren. Die Holzbläser glänzten mit solistischen Partien. Und im längst populär gewordenen Meisterwerk des Franzosen durften sich die verschiedensten Instrumente über dem den „Boléro“ durchziehenden Ostinato entfalten.

Ein besonderes „Bonbon“ des ausverkauften Konzertes: das Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur von Richard Strauss, dem Jubilar des Musikjahres 2014, mit dem jungen, ganz hervorragenden Paolo Mendes. Seit 2010/11 Solo-Hornist des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, begeisterte er durch ausgesprochen schönen, ganz und gar schlackenlosen Ton und sensible Interpretation. Dass Mendes dabei die wirkungsvollen Glanzstellen des vom jungen Strauss für seinen Hornisten-Vater komponierten Konzertes auskostete, ist nur zu selbstverständlich.

Am Ende viel Beifall, für den sich das Orchester mit zwei ausgiebigen Zugaben bedankte. Die Streicher kamen mit Sibelius’ „Valse Triste“ noch einmal so recht zur Geltung, das JPON insgesamt dann mit dem kontrastreichen Ausschnitt aus Prokofjevs „Romeo und Julia“-Ballett.

Weser-Kurier, 23.08.2014

 

Junges Philharmonisches Orchester in der Stadthalle

von Michael Kerzel

 

Verden. Das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) feierte sein 25-jähriges Bestehen mit vier Konzerten – eines davon spielten die Musiker am Donnerstagabend in der Verdener Stadthalle. Chefdirigent ist Andreas Schüller. Der in Berlin geborene Dirigent ist seit 2008 musikalischer Leiter des JPON. Er studierte an den Musikhochschulen seiner Heimatstadt Horn, Klavier und Dirigieren. Seit der Saison 13/14 ist Schüller Chefdirigent der Staatsoperette Dresden.

Das Orchester widmete sich beim Konzert dem spätromantischen Komponisten Richard Strauss und dem Klangzauberer Maurice Ravel. Den Abend eröffnete Richard Strauss‘ Tondichtung Don Juan, die den Musikern höchste spieltechnische Brillanz

abverlangte, es folgte Paolo Mendes Strauss‘ frühes Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur. Danach erklang Maurice Ravels Orchestersuite Nr.2 mit Exzerpten aus dessen Ballett Daphnis und Chloé und als Abschluss der Boléro.

Nord-West-Zeitung, 22.08.2014

 

Sinnliche Seiten der Musik aufdecken

Konzert. Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen in Westerstede gefeiert.

von Horst Hollmann

 

Westerstede. – Mit Speck fängt man mit großer Sicherheit Mäuse. Mit dem „Boléro“ von Maurice Ravel fängt man mit größter Sicherheit Zuhörer. Mehr passen gar nicht in die Aula des Westersteder Gymnasiums als beim Konzert der Jungen Philharmonie Niedersachsen (JPON). Das rahmt das Jubiläum augenfällig ein. Seit 25 Jahren treffen sich fast immer über 100 junge Musikerinnen und Musiker zu zwei arbeitsintensiven Projektwochen mit Konzert in der Ammerländer Kreisstadt.

Begonnen hat es 1989 beim „Jungen Atelier-Orchester Oldenburg“, mit dem Dirigent Gunther Weitz forsch nach Sternen griff: Einem anspruchsvollen Musikkonzept in demokratischem Rahmen. Westerstede bot für die Sommerferien das ideale Umfeld, vom organisierenden Kontrabassisten Tobias Martin über Kommune und Vereine bis hin zu einem animierten Hausmeister, der für sich noch Saxofon spielen lernte. Vor allem drei Dirigenten, anfangs Thomas Dorsch, lange Peter Kuhn und seit 2008 Andreas Schüller, haben die staunenswerte Entwicklung geprägt.

Die Programme sind, das zeigt sich auch zum Jubiläum, reißerisch im besten Sinne und reißerisch in der Ausführung. Das technische Können der 18- bis 25-Jährigen ist frappierend. Ein Teil bringt professionelle Erfahrungen aus Orchestern ein, andere stellen als Studenten an sich höchste Ansprüche. Diese Mischung führt zu besonderer Neugier, Entdeckerlust und Konzentration. Vielleicht entwickelt das JPON in diesem Geist einen aufregenden Klang, der später in der Karriere dieser Leuchtkraft und Schattierung oft verblasst.

Das aktuelle Programm reduziert sich keineswegs auf Ravels aufreizendes Dauercrescendo. Es bringt auch seine zweite Suite aus „Daphnis und Chloé“. Akribisch lässt Schüller die Musiker alle Verästelungen verfolgen. Die Ausbrücke krachen, aber stets bleiben Poesie und Sinnlichkeit der Musik erhalten.

Zum französischen Experten für Klangexplosionen und Klangimplosionen gesellt sich der ebenso veranlagte Richard Strauss mit der Tondichtung „Don Juan“ und dem ersten Hornkonzert. Solist Paolo Mendes hält über alle technische Brillanz hinaus ein schönes Gleichgewicht zwischen fülliger Opulenz und dezent getönten Farben.

Dann der „Boléro“. Vielleicht ein klein wenig schnell genommen, um im Untergrund das Ordinäre zum Brodeln zu bringen. Aber emotional ausreichend erhitzt, um Abgründe spüren zu lassen, dabei knisternd im Aufschichten der Mixturen. Beifallssturm. Zugabe zwei: „Die Montagues und Capulets“ von Prokofjew. Ein toller Tag!

Die Harke, Nienburger Zeitung , 29.07.2014

 

Dionysischer Jubel

von Wolfgang Motzkau-Valeton

 

Mächtiger symphonischer Klang erfüllte am Sonntag die St.-Martins-Kirche. Auf dem Programm standen „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss und erneut die „Carmina Burana“ von Carl Orff. Es musizierten der gemischte Chor Rehburg, die Nienburger Kantorei, der große Kinderchor und der Jungendchor St. Martin, das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (in voller Besetzung) und die Gesangssolisten. Die Leitung hatte Christian Scheel.

Die Einstimmung mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss verlieh dem ganzen Abend einen spätromantischen Hauch. Der einleitende „Frühling“ beginnt geheimnisvoll webend und steigert sich zu mächtigem Klang. „September“ hebt heiter an und streift dann melancholische Bereiche. „Beim Schlafengehen“ bringt süße Reife und verklingt nach dramatischer Steigerung verhalten. „Im Abendrot“ ist sehnsüchtig fortschweifend und wirkt in der Schlusszeile „Ist dies etwa der Tod?“ resigniert. Das 1948 entstandene Werk bringt noch einmal den raffinierten Klangzauber der Spätromantik, wirkt aber wie der wehmütige Abschied von einer untergegangenen Welt. Das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen entfaltete perfekt seinen opulenten und differenzierten Klang. Yoora Lee-Hoff (Sopran) sang leidenschaftlich und mit farbigem Ausdruck.

Carl Orffs „Carmina Burana“, die in Rehburg eher kammermusikalisch klangen, warteten hier mit dem großen Orchester und symphonischer Fülle auf. Monumentale Tongebirge, dionysischer Jubel und die oratorische Feier der Liebe markierten die Höhepunkte. Durch die Instrumentierung wurde deutlicher, dass das Hauptmotiv im Tanz (Nr. 6) als in der Ferne verklingendes Pferdegetrappel bei „equitavit“ wieder auftaucht. Das schauspielerische Singen des Baritons hatte diesmal seinen Höhepunkt in „Ego sum abbas“. Es ist wahrscheinlich musikgeschichtlich einmalig, dass hier ein Schluckauf klanglich gestaltet wird. Ein besonderes Hörerlebnis war, dass in Nr. 15, „Amor volat undique“, das Sopransolo mit den wunderbar hauchigen Stimmen des Kinderchores kombiniert war. Dieser Zusammenklang wiederholte sich in Nr. 22 „Tempus est iocundum“.

Die Nienburger Aufführung offenbarte die eigentümliche Stellung des Werks von Orff. In ihrer markanten Rhythmik orientieren sich die „Carmina Burana“ hörbar an Igor Strawinsky und Aram Chatschaturian. Gleichwohl bewahren sie, vor allem in den Frühlings- und Liebesliedern, einen spätromantischen Grundklang, was wohl wesentlich zur weltweiten Popularität des Werkes beigetragen hat.

Die vereinigten Chöre meisterten ihre Aufgabe mit begeisternder Frische. Das Orchester glänzte mit professioneller Bravour. Herausragend waren vor allem die Bläser und die Perkussionsgruppe. Yoora Lee-Hoff (Sopran) gefiel erneut durch ihre leidenschaftlich-sensible Gestaltung. Konstantinos Klironomos (Tenor) brachte seinen Part mit markanter Deutlichkeit. Janno Scheller (Bariton) beeindruckte erneut durch seinen opernhaften Gestus. Christian Scheel leitete den mächtigen Klangkörper mit plastischer Wucht und feinsinnigem Herausarbeiten der Einzelheiten.

Das Publikum, an die 600 Personen in der brechend vollen Kirche, ging begeistert mit. Gelegentlich brandete Szenenapplaus auf. Der stehend gespendete Schlussbeifall war von Jubelrufen und Begeisterungsgetrampel begleitet. Ein schöner sommerlicher Höhepunkt im hiesigen Musikleben.