Pressespiegel 2016

Übersicht


"Verdis beste Oper" (Syker Kurier, 7.11.2016, Titelseite)

"Wagner und Meer" (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 16.8.2016, S. 5)

"Fulminantes Festivalfinale in Bunderhee" (Ostfriesischer Kurier, 16.8.2016, S. 12)

"Ein Hauch Bayreuth in Ostfriesland" (Emder Zeitung, 16.8.2016, S. 6)

"Großer Orchesterklang in Reithalle" (Niederelbe-Zeitung, 16.8.2016, S. 33)

"Ein Fall für Profis?" (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12.8.2016, S. 5)

 

 

Syker Kurier, 7.11.2016, Titelseite

 

Verdis beste Oper

 

Auch nach fast 150 lahren hat die Messa Da Requiem nicht an Anziehungskraft verloren/ Zuschauer begeistert

 

VON DORIT SCHLEMERMEYER

Bassum. Dass die Messa Da Requiem von Verdi auch nach fast 150 Jahren noch nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst hat, zeigte sich auch am Sonnabend in der Bassumer Stiftskirche, die bis zum letzten Platz besetzt war. Wie aus der Geschichte zu erfahren ist, war schon die Uraufführung der Messa 1874 in Mailand ein besonderes Kulturereignis in Europa. Im Bassum des Jahres 2016 wurde die bravouröse Aufführung mit nicht enden wollendem Applaus und stehenden Ovationen gefeiert. Da lag hinter den Konzertbesuchern ein überwältigendes Klangerlebnis, das alle in den Bann zog. Zu verdanken war das den Kantoreien aus Bassum und Nienburg, dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen, den Gesangssolisten Patricia Andress, Anna Bineta Diouf, Alec Otto, Daniel Blumenschein und natürlich Reka-Zsuzsanna Fülop, die die musikalische Leitung hatte. Begonnen hatte das große Hörkino mit einem Bibelzitat, vorgetragen von Walter Bellingrodt: „Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grim, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde, belügt einander nicht.“ Die Worte aus dem Paulusbrief an die Kanosser bildeten den Auftakt zum Requiem, der heiligen Messe für Verstorbene. Allerdings wurde Verdis Werk oft ironisch als seine beste Oper bezeichnet. Und warum das so ist, konnten die Zuhörer miterleben, denn die Aufführung enthielt alle dramatischen Opernmomente, angefangen beim Requiem, das mit eindringlichen verhaltenen Stimmen der Chöre begann: Ewige Ruhe, gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen - so die deutsche Übersetzung des lateinischen „Requiem aeternam dona eis, domine“ . Dann folgte der kraftvolle Lobgesang, und ein spannendes Hördrama nahm seinen Lauf, das mit dem „Dies irae“ einen dramatischen Auftakt fand: „Tag der Rache, Tag der Sünden, wird das Weltall sich entzünden“ , sangen die Chöre mit vehementer Orchesterbegleitung und donnerndem Paukenschlag und das Publikum war mittendrin im Drama des letzten Gerichts: „Laut wird die Posaune klingen, durch die Erde Gräber dringen“ , sehr eindringlich dargeboten von der Bassstimme Daniel Blumenscheins. Dem Schuldbekenntnis wurde durch die Stimme der Mezzosopranistin Anna Bineta Diouf eine enorme emotionale Tiefe verliehen und die Dramatik wurde vertieft im „Rex tremendae majestatis - König schrecklicher Gewalten“ - einem geradezu furchterregenden, von Blech gestützten Chorsatz, den die beiden Kantoreien in äußerster Spannung mit Bravour darboten. Endlich; als Entlastung, wurde diese Spannung mit den ersten Gnadengesuchen an Jesus aufgehoben: „Recordare, Jesus pie - milder Jesus, sollst erwägen“, der schönen Tenorstimme von Alec Otto. Ein weiteres Mal werden die Schrecken des jüngsten Gerichtes heraufbeschworen: „Seufzend steh ich schuldbefangen“, wehklagend von den Solisten, allen voran Patricia Andress, dargeboten. Doch dann schlägt der Komponist in überwältigender Eindringlichkeit des Ausdrucks den Bogen vom Schrecken des jüngsten Gerichts bis zur inbrünstigen Bitte um Errettung. Verdi hat in dieser grandiosen Chorfuge gegensätzliche Emotionen auf engstem Raum aufeinanderprallen lassen. Auch die jungen Musiker der Philharmonie Niedersachsen überzeugten mit gefühlvollem Einsatz, beherrschten den Wechsel zwischen laut und vehement, sensibel und verhalten. Und der große Komponist, der früh den Verlust seiner Kinder und Frau verkraften musste, lässt die Zuhörer nicht zurück in Trauer und Resignation, sondern bietet ein glückliches Ende mit einem Licht der Hoffnung: „Lux aeterna - ewiges Licht leuchte ihnen, Herr“ und geht sogar noch weiter mit dem bekannten „Libera me – Befreie mich, Herr, vom ewigen Tod“. Nach der Aufführung war es minutenlang still. Der Applaus setzte umso vehementer ein und alle Gäste erhoben sich, um ihren Respekt zu zollen. „So eine bombastische Aufführung haut einen einfach um“ , brachte es eine Besucherin auf den Punkt.

 

 

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 16.8.2016, S. 5

 

Wagner und Meer

 

Das Junge Philharmonische Orchester im Funkhaus

 

VON CHRISTIAN SCHÜTTE

Der Sommer ist die Zeit für Richard Wagner. Und das nicht nur in Bayreuth, wie das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen mit seinem aktuellen Konzertprojekt jetzt klangvoll bewiesen hat. Vor eine große Aufgabe hat sich das Orchester, zusammengesetzt aus Studenten, jungen Profis und ambitionierten Amateuren, gestellt und nach dem höchsten gegriffen - dem “Ring des Nibelungen“. Der Dirigent und Komponist Lorin Maazel hat vor 30 Jahren eine auf gut 70 Minuten komprimierte Fassung geschaffen - den „Ring ohne Worte“. Maazel hat dafür ausschließlich originales Notenmaterial verwendet, beginnt mit den ersten Klängen aus dem „Rheingold“ und endet mit dem rauschenden Zusammenbruch der Welt am Schluss der „Götterdämmerung“. Dazwischen erzählt Maazel die Geschichte, klug und wohl dosiert, anhand der zentralen Momente aus den vier Teilen des Opus, legt, wo nötig, die Töne der Gesangstimme in die Instrumente des Orchesters.  In einer guten Stunde das abzubilden, was normalerweise 16 Stunden dauert, erfordert vor allem Konzentration und viel innere Spannung. Dirigent Andreas Schüller gelang es, diese durchgehend aufzubauen. Wenn einmal die gefährliche Balance zwischen, Streichern und Bläsern zu kippen schien, reagierte er darauf spontan und flexibel, ebenso seine Musiker. Die blieben den enormen technischen Anforderungen kaum etwas schuldig. Sie spielten als starkes Kollektiv zusammen, und was sowohl bei den Streichern als auch, bei den Holz- und Blechbläsern an Soli zu hören war, überzeugte durchweg. Eine eindrucksvolle Gesamtleistung, die das Publikum im Sendesaal des NDR mit viel Applaus feierte. „Dieses Stück mit anderen zu kombinieren ist schwierig und stellt diese unweigerlich in den Schatten. Der erste Teil des Konzertes begann mit John Adams „Short Ride in a Fast Machine“ aus dem Jahr 1986, einem kurzen Stück, das vor allem durch markante Rhythmen lebt, die durchaus an die Mechanik eines Motors erinnern. Ganz andere Klangwelten hat Claude Debussy mit seinem dreiteiligen Zyklus „La Mer“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen.  Debussy schöpft die Farben des ganzen Orchesters aus, experimentiert mit Klängen und Harmonien und lässt so die unterschiedlichen Facetten des Meeres unmittelbar erfahrbar werden. Diese sehr feinsinnige Musik setzten das Junge Philharmonische Orchester und Andreas Schüller in üppigen, strömenden Klang um.

 

 

Ostfriesischer Kurier, 16.8.2016, S. 12

 

Fulminantes Festivalfinale in Bunderhee

 

GEZEITEN KONZERT

Philharmonisches Orchester Niedersachsen begeistert mit spannenden Crescendi und feingesponnenem Tutti

 

Publikum spürt die Leidenschaft junger Orchestermusiker.

 

VON ROLAND MOLL

BUNDERHEE - Finale mit Höhepunkten! Erst gibt es vor dem Abschlusskonzert des Gezeiten-Festivals eine Show der Reitpferde auf dem Polderhof Brümmer in Bunderhee, dann Getränke mit Häppchen und nicht zuletzt ganz viel großartige Musik. Doch davor stehen Gruß- und Dankesworte von Landschaftspräsident Rico Mecklenburg und künstlerischem Leiter Professor Matthias Kirschnereit. Die Besucher erfahren, dass erstmals die Marke von 10000 Besuchern überschritten werden konnte und das Festival „im nächsten Jahr noch besser werden soll, falls das überhaupt noch möglich ist“ (Originalton Kirschnereit). Dann betreten etwa 100 Musiker des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON) und ihr Dirigent Andreas Schüller die Bühne. Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy (Ouvertüre zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ op. 21). Claude Debussy (Drei Bilder aus „La Mer“ L 109) und Richard Wagner (Orchesterquerschnitt aus dem „Ring der Nibelungen“) stehen auf dem Programm. Zur Eröffnung des Konzertnachmittags spielen die Streicher ein feingesponnenes Tutti, um sich schnell mit fulminant einfallenden Bläsern und rollenden Paukenwirbeln zu vereinen. Geheimnisvolles Tremolo der Bässe, strahlendes Blech und feine kurze Einwürfe der Holzbläser nehmen die Besucher voll in ihren Bann. Auch rasante Figuren bewältigen die Streicher nahezu mühelos, mit ein Verdienst des äußerst umsichtigen Dirigenten Andreas Schüller, der zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle über das gewaltige Orchester behält, ohne jegliches Dirigentenpathos Hilfen und Forderungen gibt und so wunderschöne, spannende Dynamikprozesse zelebriert, Crescendi in majestätisches Fortissimo münden und sensible Passagen zu köstlichem Genuss werden lässt. Kraft pur gibt es bei Debussy für das Publikum, genauso wie im Kontrast grummelnde Bässe und der silberne Klang der Flöten im Zusammenspiel mit klagenden Oboen. Aufregend das Spiel der Wellen mit dem Wind, der Übergang

von gepeitschter See zur musikalischen gespenstischen Reduzierung. Nach der Pause steht „Der Ring der Nibelungen“ von Wagner auf dem Programm. Nicht das Mammutwerk, eine Tetralogie über 14 Stunden, aber eine umfassende Orchesterfassung aus dem „Ring“ von 70-minütiger Dauer. Ein herrlicher Zusammenschnitt mit fast allen Stimmungen aus dem Gesamtwerk, der nicht das Publikum an den Rand des Zusammenbruchs bringt. Der „Ring“ im Zeitraffer sorgt für große Begeisterung in Bunderhee.

 

 

Emder Zeitung, 16.8.2016, S. 6

 

Ein Hauch Bayreuth in Ostfriesland

 

Das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen bot Meeresrauschen und Nibelungensaga

 

Bunderhee. Bei diesem letzten Konzert der diesjährigen Gezeiten war alles überdimensioniert. Die Zahl der Zuhörer, das Orchester, das Programm und natürlich der hohe Himmel über dem Rheiderland, der zumindest in Richtung Dollart nicht mit Windmühlen verstellt ist, so dass die Sonne noch in ganzer Schönheit und Breite untergehen darf. Das Publikum - 1400. Das Programm: Mendelssohn-Bartholdy, Debussy und Wagner. Reine Spielzeit: mehr als eineinhalb Stunden. Der Klangkörper: 117 Instrumentalisten des jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON): 34 Violinisten, 14 Cellisten, elf Bratscher, je zehn Kontrabassisten und Schlagzeuger, neun Hornisten, fünf Trompeter, je vier Posaunisten, Fagottisten und Flötistinnen, je drei Oboisten und Klarinettisten, zwei Harfenistinnen und je eine Bassklarinettistin, E-Hornistin, ein Basstrompeter und ein Tubaspieler. Das gab genug Fülle, um die 1625 Quadratmeter große Reithalle des Friesengestüts Brümmer in Bunderhee akustisch förmlich zu sprengen. So machtvoll waren manche Momente, dass selbst die Instrumentalisten, die gerade keinen Einsatz hatten, sich die Ohren zuhielten - etwa als es um die lärmende Darstellung der schmiedenden Zwerge aus „Rheingold“ ging, wozu die Percussionisten richtig loslegten. Der Abend begann jedoch sanfter -mit der schmelzenden Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ - zart, heiter, wohltönend. Wie oft ist sie während dieses Festivals erklungen? Oft. Doch jedes Mal in anderer Besetzung und daher jedes Mal anders, immer aber bildschön. So stürzte sich auch das junge Orchester in diesen zauberhaften Rausch schöner Töne, um dann mit „La Mer“ von Claude Debussy einen anderen kongenialen „Klassiker“ zu präsentieren, der das Rauschen der Wogen in unterschiedlicher Bewegungsintensität zum Tragen brachte. Dann allerdings ging es richtig los - mit der instrumentalen Kurzfassung des „Rings der Nibelungen“ von Richard Wagner. Und hier spielte das Orchester unter Andreas Schüller nun mit allen Klangfarben, webte solistische Anteile mit ein und behielt unter dem bestimmenden Dirigat jederzeit den Überblick in dem Wählte Werke von Mendelssohn Bartholdy, Debussy und Wagner: Dirigent Andreas Schüller. Verwirrspiel um Götter, Drachen, Zwerge, um Siegfried, Brunhilde, Hagen, Wotan und die Walküren. Je wuchtiger und emotionaler die Musik Wagners anschwoll, je theatralischer sie inszeniert wurde und je stärker sie sich in krachenden Akkorden entlud, desto sicherer gestalteten die jungen Instrumentalisten des JPON die Musik. Man kann zu Wagner und seinen Kompositionen stehen, wie man will, es muss anerkannt werden, dass das 70 Minuten- Epos, von Lorin Maazel zusammengestellt, seine Reize hatte und das Orchester keineswegs überforderte, denn als es an die Zugabe ging, griff Schüller nicht in die Klamottenkiste, sondern warf das Orchester beherzt nach vorne - mit den treibenden Rhythmen von John Adams „Short ride in a fast machine“. wag

 

 

Niederelbe-Zeitung, 16.8.2016, S. 33

 

Großer Orchesterklang in Reithalle

 

Das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen begeisterte am Donnerstagabend in Otterndorf sein Publikum

 

Von Ilse Cordes

 

OTTERNDORF. Diesmal kam das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) in ganz großer Besetzung nach Otterndorf in die Reithalle. Angesichts von Claude Debussys „La Mer“ und Lorin Maazels Orchesterquerschnitt „Der Ring ohne Worte“ aus Richard Wagners „Ring“-Zyklus war das auch ein absolutes Muss.

 

Den vielen Zuhörern bescherte das JPON am Donnerstagabend damit den hierorts nur höchst selten zu erlebenden ganz großen Orchesterklang und zwar einen von erstaunlicher Qualität. Otterndorfs Reithalle ist nicht der akustisch fein austarierte Konzertsaal, will und kann sie auch gar nicht sein. Mit dem alljährlich dort stattfindenden JPON-Konzert ist sie aber stets einen Konzertabend lang die Attraktion in Sachen Musik. Bürgermeister Claus Johannßen brachte es bei seiner Begrüßung und seinem Dank an die Sponsoren auf den Punkt: „Andere haben die Albert Hall, wir haben die Horse Hall!“ Und in der hörte das Publikum am Donnerstag ein vor allem mit Debussy und Wagner-Maazel durchaus anspruchsvolles Programm. Denn der Orchesterquerschnitt des weltberühmten Dirigenten ist wahrlich keine leichte Kost, verlangt er doch zum vollkommenen Genuss eine gewisse Kenntnis der faszinierende, ja magischen Leitmotivik Wagners. Das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen, seit acht Jahren von Andreas Schüller geleitet, setzt sich aus Musikstudenten wie Musikliebhabern und jungen Profimusikern zusammen. Fluktuation ist also angesagt. Doch für ein solches Projekt wie die alljährliche Konzerttournee finden sie jeweils wieder neu oder ganz neu zusammen und werden am Ende zu einem beeindruckenden Klangkörper. Vielleicht gerade weil die Arbeit an einem solchen Programm wie diesem fern von jeglicher Musikeralltags-Routine

ist. Und wenn dann beim Konzert am Abend so ausgefeilte Klangbilder wie in Debussys sinfonischen Skizzen „La Mer“ oder bei Wagners in Siegfrieds „Waldweben“ und dem „Ende der Götterdämmerung“ gelingen, ist das auch für die Musizierenden auf dem Podium das höchste Glück. Dass es im Reithallen-Konzert beileibe nicht nur um großen, wuchtigen Orchesterklang ging, signalisierte bereits die eingangs gespielte Ouvertüre zu Mendelssohns „Ein Sommernachtstraum op. 21“ mit ihrem berühmten, gewissermaßen jeden Zuhörer „treffenden“ Bläser-Akkord. Filigranes in Klang und Struktur war dann umso mehr noch bei Claude Debussy angesagt, in seinen drei sinfonischen Skizzen, die eben nicht Abbild von momentan erlebter Meeres-Realität sind. Sie sind vielmehr sehr genaue Themen- und Motiv-Arbeit. Die dann so umzusetzen und zu Klang werden zu lassen, wie es den jungen Musikerinnen und Musikern am Donnerstagabend gelang, ist im höchsten Maße spannend für das Hörer-Publikum. Andreas Schüller, seit der Spielzeit 2013/14 Chefdirigent an Dresdens Staatsoperette, setzt offenkundig auf Konturen-Klarheit und ausgefeilten Klang. Nicht immer ist das mit einem Orchester zu erreichen. Doch bei einer Musiker-Besetzung wie dieser mag Schüller so manches Mal ganz dicht dran gewesen sein an seinen Vorstellungen von einem idealen Klang. Bei den Holzbläsern waren es vor allem die Hörner, die mit oftmals geradezu erlesenem Klang bestachen. Der „runde“ Klang der Celli, die Streicher oder auch die Querflöten-Soli gaben dem Gesamtklang nicht selten ein besonderes Gepräge. Viel, viel Applaus gab’s schließlich nach gewaltigen Wagner-Schlussklängen für ein bewundernswert musizierendes junges Orchester.

 

 

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12.8.2016, S. 5

 

Ein Fall für Profis?

 

Das Junge Philharmonische Orchester spielt den „Ring ohne Worte“ in Hannover

 

VON STEFAN ARNDT

 

Was für ein Größenwahn! Im ersten Moment war der Dirigent Andreas Schüller fassungslos, als ihn die Musiker des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen vor acht Jahren gefragt haben, ob er mit ihnen „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss einstudieren würde. „Ich habe gedacht, das ist eine Schnapsidee. Nicht zu schaffen mit einem Orchester aus Studenten“, sagt er. Das JPON, wie sich das Ensemble seit seiner Gründung vor 27 Jahren abgekürzt nennt, setzt sich aus ehemaligen Mitgliedern des Niedersächsischen Landesjugendorchesters zusammen, die zumeist Preisträger beim Wettbewerb Jugend musiziert waren. Und natürlich haben sich nicht alle von ihnen nach der Schule für ein Musikstudium entschieden. Es gibt Ärzte, Juristen, Lehrer. Die üblichen Musikbegeisterten. Richard Strauss’ gewaltige Partitur aber, die jedem einzelnen Musiker das Äußerste abverlangt, ist ein Fall für Profis. Oder vielleicht doch nicht unbedingt? Schüller ließ sich breitschlagen, sagte zu – und wurde schon bei der ersten Probe positiv überrascht. Die Aufführung des „Heldenlebens „ war ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Und Schüller, der damals als Erster Kapellmeister an der Wiener Volksoper und Chordirektor der Salzburger Festspiele arbeitete, bleibt dem Orchester seither treu. Das Programm der jährlichen Arbeitsphasen im Sommer ist zwar regelmäßig ein Griff nach den Sternen - „aber wir kriegen es am Ende immer sehr gut hin“. Das liegt an den professionellen Strukturen, in denen das Orchester arbeitet, glaubt der 42-jährige Dirigent, und an den Leistungsträgern, die sich immer wieder in den eigenen Reihen finden. „Der Solo-Hornist, der damals diese wahnsinnig schwierigen Passagen im ,Heldenleben’ geblasen hat, spielt zum Beispiel heute bei den Berliner Philharmonikern.“ Auch Schüller selbst, der seine Laufbahn als Pianist und Hornist begonnen hat, ist längst arriviert. Nach Stationen in Österreich war er in Wiesbaden und an der Leipziger Oper engagiert. Heute ist er Chefdirigent der Staatsoperette Dresden und ein gefragter Gastdirigent. Die Arbeit mit dem JPON erledigt er ehrenamtlich - und mit großer Begeisterung. „Das ist eine extrem schöne Abwechslung zu der Arbeit mit professionellen Orchestern“, sagt er. Zum einen, weil es eine sehr lange Probenzeit „bis weit in die Details hinein“ gebe, die anderswo nicht möglich sei. Vor allem aber, weil die Begeisterung der jungen Musiker zu spüren sei, endlich die großen Werke zu spielen, die sie sich lange schon gewünscht hätten. „Mag sein., dass nicht alles perfekt ist, doch das ist es bei Profis ja längst auch nicht immer. Aber wir sind immer 100 Prozent an der Leistungsgrenze: Das ergibt eine ungeheure Energie. „ Diese Energie überträgt sich auch auf die Zuhörer. Darum hat das JPON seit Jahren feste Konzertstationen, zu denen es immer wieder eingeladen wird. In Hannover spielt das Orchester am morgigen Sonnabend im Funkhaus. Auf dem Programm stehen natürlich „Hammerwerke“, wie Schüller es nennt: Neben Debussys „La mer“ und dem effektvollen „Short Ride in A Fast Maschine“ von John Adams wird „Der Ring ohne Worte“ erklingen - ein Arrangement der orchestralen Höhepunkte aus Richard Wagners Nibelungen-Tetralogie, das der Dirigent Lorin Maazel zusammengestellt hat. Die Aufnahme mit Maazel und den Berliner Philharmonikern ist bis heute eines der meistverkauften Klassikalben. Trotzdem ist das spektakuläre Arrangement nur selten live im Konzertsaal zu hören. Es dürften sich also nicht nur die Musiker auf dieses Stück freuen, sondern auch viele Zuhörer.